Abwrackprämie für CDs?
18.05.2009 12:51 Uhr von Marcel Kaffenberger
Die CD stirbt nicht so schnell aus, das physische Produkt wird es immer geben – diese und andere optimistische Aussagen hören wir seit Jahren kontinuierlich. Dass physische Produkte – ob Buch, Zeitung oder CD – ganz von der Bildfläche verschwinden, erscheint für uns unvorstellbar. Zu sehr haben wir uns ans Sammeln, Fühlen und Blättern gewöhnt.
Gerade erst beglückwünschte die „F.A.S.“ die erste digitale Generation, die „Digital Natives“, zur Volljährigkeit. Diese jungen Menschen sind mit Handy, Internet, Computer, Twitter, Blogs, Down- und Upload, Neue Medien und Digitalisierung aufgewachsen.
Doch was bedeutet dies für die Musikindustrie? Die Umsätze und Margen gehen zurück. CD-Verkäufe haben sich in den letzten 10 Jahren fast halbiert, Mitarbeiter werden entlassen. Die Musikindustrie wird aus dem digitalen Musikverkauf wohl kaum ausreichende Einnahmen generieren. Nicht nur die Preise von legalen Downloads sind ungemein viel geringer als bei Maxi-CDs oder Alben, sondern auch die Margen der Plattenfirmen. Hinzu kommen die allseits bekannten Probleme der Internetpiraterie und CD-Brennerei.
Der weltweite Umsatz mit Musik-Downloads stieg laut Digital Music Report 2009 der IFPI (International Federation of the Phonographic Industry) im Jahr 2008 um 25 Prozent auf 3,7 Mrd. US-Dollar. In Deutschland stieg der Gesamtumsatz mit Musik-Downloads 2008 im internationalen Vergleich überdurchschnittlich stark um mehr als 30 Prozent.
Dennoch entfielen laut Bundesverband Musikindustrie e.V. in 2008 noch 81 Prozent des Umsatzes auf CD-Alben, acht Prozent auf Musikvideos, sieben Prozent auf digitale Angebote (Download und Mobile), zwei Prozent auf die CD-Single und je ein Prozent auf analoge Formate wie LP und Musikkassetten. Der Anteil der Musikkäufer stieg im Jahre 2007 von 40,2 Prozent auf 41,4 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand der letzen fünf Jahre. In 2007 wurden über 700.000 Vinyls in Deutschland verkauft. So schnell werden also die physikalischen Tonträger nicht von der Bildfläche verschwinden.
Neue Erlösquellen für Tonträgerfirmen kommen mehr und mehr hinzu: Lizenzvergaben an YouTube oder MySpace, Kooperationen mit Hard- und Softwarefirmen, Games, Merchandising oder Konzerteinnahmen. Ob diese ausreichende Kompensation zu den wegbrechenden Tonträgererlösen bieten und der konsequente Wandel vom Musik- zum Entertainmentkonzern der Musikindustrie gelingt, bleibt abzuwarten. Musik könnte bald etwas sein, das man nicht zwingend besitzen muss, sondern das allgegenwärtig abrufbereit zur Verfügung steht.
Auch technisch bemerken wir einen großen Wandel hin zum Cloud Computing (http://de.wikipedia.org/wiki/Cloud_Computing). Der schwedische Musikdienst Spotify (http://www.spotify.com) bietet Musik zu einer monatlichen Flatrate an. Andere bieten werbefinanzierte Songs ganz kostenlos an. Wie da abseits vielleicht der Top 10 jemals ein Künstler oder die Plattenfirma Geld verdienen wird, ist offen.
Es bleibt also spannend, ob der Staat bald mit Abwrackprämien für CDs unterstützend eingreifen muss oder die Musikindustrie sich aus eigenen Kräften wieder nach oben ziehen wird. Sicher ist, es wird neue Gewinner geben. Hoffen wir, dass dabei Künstler nicht in ihrer Karriere und Existenz bedroht werden.


