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Bertelsmann mag die Börse nicht

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Datum 27.08.2008
Quelle Mediawatcher
Kategorie Unternehmen

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Der damals noch neue Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski musste kurz vor Weihnachten 2007 einen peinlichen Rückzieher machen. Der Ostwestfale musste seine Pläne aufgeben, die in Luxemburg börsennotierte RTL Group komplett zu übernehmen. Ostrowski ließ damals mitteilen, ein Grund für den Rückzieher seien Unklarheiten in der luxemburgischen Gesetzgebung. Seitdem herrscht offiziell Ruhe.

Hinter den Kulissen wird aber in der Gütersloher Konzernzentrale offenbar an einem zweiten Versuch gearbeitet, die ungeliebten Luxemburger Kleinaktionäre bei der RTL Group doch noch loszuwerden. Die Chance, dass ein neuer Anlauf Ostrowskis diesmal erfolgreich sein könnte, mehren sich. Die Luxemburger Gesetzeslage gibt den Bertelsmännern mittlerweile recht. Sie haben ihren Anteil an Europas größtem Medienkonzern mittlerweile auf 90,2 Prozent aufgestockt und können offenbar einen Squeeze-out durchsetzen.

Derzeit wird beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg abgeklärt, ob dieser Schritt rechtlich anfechtbar wäre. Eingeweihte berichten, dass sich die obersten Richter Europas wohl noch über ein Jahr Zeit für eine Stellungnahme nehmen würden. Die Mühlen der EU-Justiz mahlen bekanntlich langsam.

Dass die RTL Group irgendwann vom Kurszettel verschwinden wird, scheint aber beschlossene Sache zu sein.

Die detaillierte Quartalsberichterstattung und der mit der Börse verbundene Aufwand ist den Bertelsmänner schon lange ein Dorn im Auge. Ostrowski selbst ist kein Freund einer maximaler Transparenz der Milliardengeschäfte.

Als Arvato-Chef hat er gelernt, lieber gute Geschäfte hinter verschlossenen Türen zu machen und nicht öffentlich darüber zu reden. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold - heißt seine Devise. Auch Liz und Reinhard Mohn schätzen es nicht, wenn sich die Vorstände mit hohen Renditen in den Medien brüsten.

Ostrowskis Schweige-Strategie hat sich ausgezahlt. Nicht zuletzt deshalb ist er zum Lenker des Medienriesen aufgestiegen.

Wie sehr die Gütersloher die Börse ablehnen, hat sich erst vor zwei Jahren gezeigt. Damals hatten Bertelsmann den 25prozentigen Anteil des Minderheitseigners Groupe Bruxelles Lambert (GBL) an der Bertelsmann AG zum Preis von 4,5 Mrd. Euro zurückgekauft. Damit hatte die Patriarchenfamilie Mohn einen Börsengang des Gütersloher Medienriesen endgültigen verhindert.




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