Harold Faltermeyer, Komponist und Produzent, über Musikproduktionen und die Arbeit als Musikproduzent.
1. Was zeichnet eine gute Musikproduktion aus?
Die Musikproduktion beginnt wie ein Hausbau mit dem Kellergeschoß.
Wichtig ist die sorgsame Auswahl der Songs, die Einbindung geeigneter Arrangeure im Hinblick auf die geplante Produktion.
Fehler, die in diesem Stadium gemacht werden, sind später nicht korrigierbar, wie eben beim Hausbau.
2. Gibt es allgemeingültige Richt- und Leitlinien, die für die Produktion maßgebend sind?
Die geplante Produktion soll den momentanen und möglichst auch den zukünftigen Hörgewohnheiten der Konsumenten entsprechen. Auf "Radiotauglichkeit" (scheußliches Wort!) ist im Besonderen Rücksicht zu nehmen, da man sonst sehr wichtige Promotion- und Marketingtools
verliert.
3. Muss oder sollte der Musikproduzent eine bestimmte Ausbildung haben, z.B. Musikstudium, Beherrschen eines Musikinstruments oder eine andere Ausbildung?
Zuerst mal muss er über ein paar gut funktionierende Ohren verfügen und ein gutes Gespür für das Musikbusiness haben. Weitere sehr wichtige Eigenschaften sind: eine gehörige Portion Sensibilität und Diplomatie dem Künstler gegenüber.
Ein Musikstudium, eine Beherrschung eines Instruments (vorzugsweise Klavier, Gitarre) und Fachwissen im Bereich der Tontechnik helfen dabei natürlich sehr.
4. Was sind die genauen Aufgaben eines Musikproduzenten, und mit wem -außer den Künstlern- arbeitet der Produzent zusammen?
Wie der Name bereits sagt: Die Erstellung einer Musikproduktion beginnend mit der Planung, die eigentliche Produktion und Fertigstellung eines duplizierbaren Masters (heute Soundfile) und die buchhalterische Aufarbeitung wie z.B. Labelcopy (Autoren- und Verlagsangaben), Lizenzeinholungen (Clerance) u.s.w. Dabei arbeitet der Produzent eng mit den Vertretern der Industrie, Anwälten und Managern zusammen.
5. Welches Equipment ist notwendig für eine professionelle Produktion? Ist ein PC heutzutage bereits ausreichend?
Das hängt sehr von der Art der zu produzierenden Musik und auch den Gewohnheiten der Künstler ab. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass eine Celine Dion in einem Wohnzimmer vor dem PC sitzt und ihr neues Album einsingt, obwohl das technisch durchaus machbar wäre.
6. Was bedeutet Mastering genau, und wer führt dies durch?
Mastering ist der letzte Schritt der Bearbeitung eines "Masters" vor der Duplizierung. Rein theoretisch könnte man das selber im eigenen Studio machen. Es empfiehlt sich aber, die Dienste eines professionellen Mastering Studios in Anspruch zu nehmen, da dieses über sehr gutes, ja fast schon laborartiges Equipment verfügt. Dies gibt der Produktion noch einiges an "Schub".
7. Wie viele Tage und welche Kosten je Tag sind für eine Produktion im Durchschnitt zu kalkulieren?
Sehr schwer zu sagen!
Es gibt low-price Produktionen, die trotzdem sehr gut gemacht sind, aber auch high-price Produktionen, denen man das Investment wirklich nicht anhört!
Im Schnitt brauche ich pro Titel etwa 6-8 Tage.
Die Kosten müssen sich im vereinbarten Budget bewegen, und das ist in der heutigen Zeit sehr mager. Es ist heute fast unumgänglich, über ein eigenes Tonstudio zu verfügen und damit die Produktion mehr oder minder unentgeltlich durchzuführen.
8. Muss der Produzent sich nur an dem Künstler orientieren, oder darf bzw. muss der Produzent seinen Stil einfließen lassen? Sollte der Produzent seinen eigenen Sound kreieren?
Das ist alles eine Sache des Gespürs!
Wie bereits gesagt: eine gehörige Portion Sensibilität und Diplomatie dem Künstler gegenüber sind gefragt!
9. Sollte der Produzent heutzutage seinen eigenen festen Stil haben oder ein 360°-Allrounder sein?
Der heutige Musikproduzent hat's nicht anders als seine Vorgänger (von üppigen Budgets mal zu schweigen). Bereits die Ansagen, welche im Laufe einer Produktion gemacht werden, prägen den Stil eines Produzenten.
Ein Produzent kann es sich (bis auf wenige Ausnahmen) heute jedoch meistens nicht leisten, kein Allrounder zu sein. Dafür gibt es auf Grund der misslichen Lage des Marktes viel zu wenige Neuproduktionen.
10. Wie ermittelt sich das Entgelt des Produzenten? Gibt es Standardsätze, und wie hoch sind diese? Oder wird das Entgelt jeweils individuell ausgehandelt?
Jungproduzenten bekommen eine sog. Producerlizenzbeteiligung, i.d.R. 3-4% vom HAP (Händlerabgabepreis). Er muss sich den bei Plattenfirmen üblichen Reduktionen unterwerfen.
Sehr erfolgreiche Produzenten werden wohl einen Vorschuss (Advance payment), verrechenbar auf die zu erwartende Producerlizenzbeteiligung, verhandeln. Die Beteiligung eines "Erfolgsproduzenten" ist auch entsprechend höher.
11. Welche Vertragsmöglichkeiten haben junge Produzenten? Gibt es Standard-Vertäge, und wo sind diese erhältlich?
Jede Plattenfirma verfügt über Standardverträge, welche mit den jeweiligen Produzenten nach vorangegangenen Verhandlungen geschlossen werden. Darüber hinaus gibt es Juristen, welche speziell für die "Branche" tätig sind.
12. Sollten sich Künstler / Band immer an einen Produzenten wenden? Wenn nein, welche Alternativen gibt es?
Das steht jedem Künstler frei. Viele Bands produzieren ihre Alben selbst.
Für Solisten empfiehlt sich im Allgemeinen doch sehr, einen kompetenten Produzenten zu beschäftigen.