5 Fragen an Dr. Gottfried Neuhaus, Venture Capital Unternehmer und Inhaber der Neuhaus Partners GmbH
Montag, 03. November 2008
ComeUnited.Com
Herr Dr. Neuhaus, mit Ihrer Firma „Neuhaus Partners GmbH“ gehören Sie zu den führenden Venture Capital Unternehmen in Europa. Sie beteiligen sich an Wachstumsunternehmen primär aus den Bereichen IT und Internet.
Worin sehen Sie die großen Potenziale in diesem Segment, und gibt es ein neues Feld, auf das Sie derzeit verstärkt setzen?
NEUHAUS: Moores Law gilt immer noch: die Leistungsfähigkeit von Chips zu gleichen Kosten nimmt immer noch stark zu. Deswegen wird es weiterhin so sein, dass morgen Dinge möglich sind, die heute undenkbar sind. Wer hätte vor einigen Jahren daran geglaubt, dass meine E-Mails real time auf meinem iPhone ankommen? Die Chancen, Firmen aufzubauen, die neue Technologien einsetzen, sind immer noch sehr hoch. Ich denke da insbesondere an Anwendungen im mobilen Umfeld rund ums Handy. Ein neues Feld für uns ist Cleantech, also die saubere Energieerzeugung. Wir glauben, dass durch den Einsatz von IT und Internet die Energieerzeugung und -nutzung intelligenter gestaltet werden kann.
ComeUnited.Com
2007 war ein Gründer-Rekordjahr, vorwiegend im Bereich Internet. Für 2008 ist ein weiterer Anstieg zu beobachten. Gleichzeitig ist die Quote an Firmenaufgaben oder Insolvenzen nicht gerade gering.
Gibt es nach Ihrer Erfahrung immer wieder Kernfaktoren, die Gründer falsch machen, nicht beachten oder falsch einschätzen?
NEUHAUS: Es „sterben“ ungefähr ein Viertel der von uns finanzierten Unternehmen. Manchmal überschätzen wir gemeinsam mit dem Team einfach die Geschwindigkeit, mit der neue Technologien/Anwendungen wirklich genutzt werden. Wenn es dem Team nicht gelingt, sich umzupositionieren, dann kommt es zum Ende. Manchmal kommt es auch vor, dass ein Team beratungsresistent ist. Das kann dann auch zu schwierigen Situationen führen.
ComeUnited.Com
Im Vergleich zu den USA hört man aus Deutschland wenig spektakuläre Erfolgsgeschichten. Der XING Gründer Lars Hinrichs, selber eine löbliche Ausnahme, sagte kürzlich in einem Interview mit dem Manager Magazin, dass das Unternehmertum in Deutschland noch nicht cool sei.
Wodurch unterscheiden sich nach Ihrer Meinung die deutsche Unternehmerschaft, und welche Veränderungen sollten / müssten erfolgen?
NEUHAUS: Ich empfinde das ganz anders. In Deutschland ist in den letzten 10 Jahren eine Szene von Serial Entrepreneurs entstanden, die auch in der Gründerszene sehr aktiv sind. Dazu gehören beispielsweise Stefan Wiskemann, Stefan Glänzer, Thorsten Rehling, Martin Ostermayer, die Samwer-Brüder, Lucas Gadowski, Oliver Jung, Conny Börsch und viele andere mehr. Das sind Leuchttürme, denen viele junge Leute nachstreben. Sie bringen sich auch in die Firmen ein und helfen den jungen Teams wie ein Business Angel. Die Lust, Unternehmer zu sein, wird nach meinen Beobachtungen immer größer. Das hat natürlich auch mit der Belohnung zu tun. Wie sonst als durch den Aufbau einer eigenen Firma kann man schon in ein paar Jahren mehrfacher Millionär werden?
ComeUnited.Com
Ob StudiVZ, MySpace oder die Online-Aktivitäten der großen Verlage – ihnen mangelt es nicht an Popularität oder Reichweite, sondern an Einnahmen.
Was sind für Sie im Bereich Internet die Einnahmemöglichkeiten der Zukunft?
NEUHAUS: Medienunternehmen - und Internet-Firmen sind Medienunternehmen - haben drei Einnahmequellen: die Werbung, das Abonnement und die Produktverkäufe. Werbung wird weiterhin eine signifikante Einnahmequelle von Internet-Unternehmen bleiben. Ob jeder allein davon langfristig überleben kann, darf wohl bezweifelt werden. Die Monetarisierung muss aus der Attraktivität des Angebots kommen, z.B. indem der Konsument ein Abonnement abschließt. Darüber hinaus müssen die Internet-Firmen Produkte im Zusammenhang mit ihren Themen anbieten. So wird z.B. verwandt.de, bei denen man Familien Stammbäume bauen kann, schöne Printouts davon zum Kauf anbieten.
ComeUnited.Com
Sie sind Jurymitglied des Hamburger „Webfuture Award“, der innovative Projekte und Konzepte aus den Bereichen E-Commerce, Web 2.0 und Social Communities prämiert. Die Gewinner erhalten Geld- und Sachpreise, Sponsor- und Betreuungsleistungen.
Wie intensiv analysiert die Jury bei der Auswahl der zehn besten Kandidaten? Wie groß ist die Irrtumsquote beim „Business-Idea-Speeddating“? Und verraten Sie uns in diesem Zusammenhang Ihre Top 3 der spektakulärsten oder erfolgreichsten Neugründungen der letzten Zeit?
NEUHAUS: Jedes Jurymitglied bewertet mehrere der eingereichten Business-Ideen. Die zehn besten Teams werden zum Speeddating eingeladen. Die Jury diskutiert engagiert, um die besten drei Ideen herauszufinden. Diese Diskussion hat im letzten Jahr mehrere Stunden gedauert.
Ein sehr großes Potential hat smava, ein Marktplatz, auf dem Privatpersonen an andere Privatpersonen Kredite geben. Einen sensationellen Start hat verwandt.de hingelegt. Da ist die Frage der Monetarisierung aber noch nicht endgültig geklärt. Einen Riesenerfolg haben auch BigPoint oder gameforge, also die Browser-Gamer, durch den Verkauf virtueller Gegenstände erreicht.