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Interview

Konstantin Neven DuMont
Konstantin Neven DuMont

5 Fragen an Konstantin Neven DuMont, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg

 

Montag, 25. August 2008

 

 

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Herr Neven DuMont, seit 1998  sind Sie Geschäfts- führer des in der 12. Generation bestehenden Verlagshauses M. DuMont Schauberg und seit 2004 Sprecher der Geschäftsleitung des Unternehmensbereichs Köln. Gemäß einem Zitat von Ihnen aus dem Jahre 2003 geht es Ihnen nicht mehr um die Frage Papier oder Bildschirm, sondern darum, wie die Regionalverlage es schaffen können, auch den elektronischen Medien als unverzichtbarer Zulieferer für Informationen und Analysen zu dienen.
Wie beurteilen Sie heutzutage die Entwicklung der Verlage in dieser Hinsicht, und für wie zukunftsträchtig halten Sie das Printmedium?

NEVEN DUMONT: In den meisten Verlagen hat schon seit längerem ein notwendiges Umdenken begonnen. Das Mediennutzungsverhalten und Informationsbedürfnis der Menschen hat sich und wird sich weiter verändern – darauf müssen sich die Verlage einstellen. In den kommenden Jahren rezipieren wir News zunehmend auf unterschiedliche Art und Weise. Wie steuern in eine On-Demand-Informationskultur, in der wir überall und jederzeit Neuigkeiten abrufen wollen. Der Kölner Stadt-Anzeiger und der EXPRESS haben deshalb schon seit einiger Zeit einen konsequent multimedialen Weg eingeschlagen. Dazu gehört, dass die Redaktionen nicht nur die tägliche Printausgabe produzieren, sondern ebenfalls den Online-Auftritt mit der so genannten Online-First-Strategie bedienen. Zusätzlich werden auch Bewegtbilder ins Netz gestellt. Für Reichweitenerhöhung sorgt auch stadtmenschen.de – eine Community von ksta.de, in der user-generated-content publiziert wird. Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS sind also längst mehr als nur eine Printausgabe. Wir nutzen die Vorteile der Brand Extension, indem das positive Image der Marke Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS als Qualitätssiegel auf weitere Informationskanäle transferiert wird. Genau das unterscheidet uns von vielen anderen Wettbewerbern. Auch die weiteren Titel von M. DuMont Schauberg werden dieser Strategie folgen. So haben vor Kurzem alle Titel ihre eigenen Mobilportale gestartet.
Das alles heißt aber nicht, dass das die Zeitung als Printmedium keine Zukunft hat. Drei von vier Deutschen über 14 Jahren lesen nach der Media-Analyse 2008 eine Tageszeitung, die damit auf hohem Niveau ihre Reichweite halten. Es wird auch in vielen Jahren noch bedrucktes Papier geben, weil die Haptik einer Zeitung immer noch ihre Vorteile hat. Allerdings wird natürlich in deutlich höherem Maße Online, Mobil oder auf so genanntem elektronischem Papier konsumiert.


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Durch digitale Angebote wollen Sie Nutzer erreichen, die sich von Zeitungen verabschiedet haben. Sie sehen Wachstumschancen vor allem in Community-Angeboten, in Special-Interest-Webseiten, die sich auf bestimmte Themen konzentrieren.
Welche Angebote haben Sie derzeit in Vorbereitung?

NEVEN DUMONT: Derzeit sind die Redaktionen vor allem mit dem Ausbau der bestehenden Angebote beschäftigt. Vor Kurzem erst hat das Internetfernsehen ksta.tv sein Angebot mit drei neuen, wöchentlichen Formaten ausgeweitet. In der Videokolumne „Lauras Blog“ berichtet Laura Cornelius über ihre Auswanderung nach Israel, wo sie ihre große Liebe gefunden hat. In der Reihe „Schlauberger“ stellt Oliver Steinebach rätselhafte Orte in Köln vor. Und mit „Viktoria lebt“ begleitet ksta.tv den Traditionsverein Viktoria Köln durch die Saison der Fußball-Verbandsliga. Es kommt vor allem darauf an, dass diese Formate persönlich sind und die User direkt ansprechen. Sehr erfolgreich sind auch lokale Themen die aufgegriffen werden, wie beispielsweise in der Reihe „Streit im Turm“ die Diskussion über den Moscheebau in Ehrenfeld. Die Sendung fand nachher sogar bundesweit in den Nachrichten Beachtung. Derzeit liegt ksta.tv bei ca. 120.000 Videoabrufen monatlich, EXPRESS TV sogar bei über 450.000 Videoabrufen. Anfang Juli hat der EXPRESS eine eigene Sendung auf center.tv Köln gestartet, die sich ebenfalls online abrufen lässt. Im Vordergrund stehen die erfolgreichsten Clips des IPTV auf www.express.de. Die Videobeiträge werden von EXPRESS-Mitarbeitern erstellt, aber auch von Lesern eingereichte Beiträge kommen in die Auswahl. Insgesamt betrachtet sind wir also auf einem sehr guten Weg.


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Mit DuMont Neue Medien, DuMont Net und DuMont Venture sind Sie Dienstleister rund um Internet und Neue Medien und beteiligen sich an Wachstumsunternehmen in den Bereichen digitale Medien und IT.
Wie stark ist dadurch Ihre Reichweite gestiegen? Welche weiteren Pläne haben Sie in dieser Richtung, um Ihr Ziel zu erreichen, ein Viertel Ihrer Gesamterlöse aus Internetangeboten zu erwirtschaften?

NEVEN DUMONT: Mit DuMont Venture, DuMont Net und DuMont Neue Medien sind wir im Bereich der digitalen Medien sehr gut aufgestellt. Im Jahr 2008 werden wir ca. zehn Prozent unserer Erlöse digital erzielen. Das Portfolio bei DuMont Venture wächst stetig durch interessante und äußerst innovative Beteiligungen und DuMont Net kümmert sich intensiv um die Vermarktung und Weiterentwicklung der Online-Auftritte von M. DuMont Schauberg. Es bedarf heutzutage einfach viel mehr, als nur die gedruckte Zeitung ins Netz zu stellen. Im Online-Bereich kooperieren wir zudem mit der Verlagsgesellschaft Madsack, da es gerade hier Sinn  macht, wenn Verlage ihre Ressourcen bündeln und gemeinsam die Märkte bearbeiten. Wir sind daher auf einem guten Weg, die angestrebten 25 Prozent unseres Umsatzes aus den digitalen Angeboten zu erreichen.
Die Frage, inwieweit die Reichweite von MDS durch die neuen Beteiligungen gestiegen ist, lässt sich nicht beantworten. Bislang werden Online-Reichweiten von der AGOF ermittelt und die Reichweiten der übrigen Mediengattungen von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse. Nutzer-Überschneidungen bzw. Nutzer-Zuwächse lassen sich damit nicht bundesweit auswerten. Die bundesweite Betrachtung ist in diesem Fall aber wichtig, da sich Nutzerschaften von Online-Angeboten nicht an Verbreitungsgebiete halten. Die AGOF ermittelte beispielsweise, dass "nur" 58 Prozent der Nutzer (Unique User in einem durchschnittlichen Monat) von ksta.de  bzw. rundschau-online.de aus Nordrhein-Westfalen kommen (Quelle: AGOF internet facts 2008/1). Im Verbreitungsgebiet der Hauptausgabe Köln des Kölner Stadt-Anzeigers messen wir regelmäßig die Reichweiten unserer Printtitel und der dazugehörigen Online-Portale. Da sehen wir zum Beispiel, dass die Abo-Titel der Zeitungsgruppe Köln durch die zugehörigen Online-Portale ksta.de und rundschau-online.de ihre Reichweite (Print: Leser pro Nummer/Online: Nutzer pro Monat) um 13 Prozent steigern. (Quelle: Kölner Medienmonitor 2008). Würde man die Reichweiten bundesweit betrachten, wäre der Reichweitenzuwachs von Print durch Online deutlich höher.


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Mit den neuesten Aktivitäten ksta.tv, center.tv und einigen Mobilportalen sind Sie medial sehr breit aufgestellt. Gibt es einen bestimmten Bereich, den Sie insbesondere forcieren?

NEVEN DUMONT: Nein, den gibt es nicht. Das würde ja auch gegen unsere multimediale Strategie sprechen. Es kommt gerade auf das gute Zusammenspiel und die Ergänzung aller Bereiche an. Jede Zielgruppe muss sich entsprechend ihrer Nutzungsbedürfnisse bei uns gut aufgehoben fühlen. Deshalb investieren wir nicht nur in die neuen Online-Objekte, sondern auch bewusst in das traditionelle Geschäft. In Köln ist unser Haus gerade dabei, eine Druckmaschine der neuesten Generation zu installieren, außerdem denken wir auch im Printbereich permanent über neue Produkte nach. Sehr erfolgreich ist hier das noch relativ junge Magazin im Kölner Stadt-Anzeiger.


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Das Leser- und Nutzerverhalten ändert sich zusehends. Im Bereich Internet wird der User mehr und mehr zum Macher, bringt sich ein, diskutiert und wird zum Content-Lieferanten.
Sehen Sie diese Entwicklung positiv, oder birgt sich hierin eine gewisse Gefahr für den Qualitätsjournalismus?

NEVEN DUMONT: Leser und User wollen sich aktiv beteiligen und müssen in die Prozesse einbezogen werden, um sie nicht zu verlieren. Das ist ja schließlich auch der Auftrag der Presse: Meinungsbildend zu sein, Interesse zu wecken und Debatten anzustoßen. Dabei darf der Qualitätsjournalismus natürlich nicht verwässern. Die Redaktionen legen daher großen Wert darauf, dass Meinungsartikel und Leserbriefe von den journalistischen Beiträgen klar zu unterscheiden sind. Auf ksta.de haben die User die Möglichkeit, jeden Artikel zu kommentieren. Dabei sind diese Kommentare klar von dem journalistischen Beitrag zu trennen. Auch bei stadtmenschen.de ist das der Fall. Die User wissen, dass es sich um Inhalte handelt, die von anderen Usern erstellt werden. Über die Qualität der Beiträge sagt das selbstverständlich nichts aus. Aber wenn man sich die Inhalte anschaut, stellt man fest, auf welch erstaunlich hohem Niveau die sich teilweise bewegen.

 

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Mehr zum Thema Medien und Presse finden Sie in diesen Artikeln: Interview mit Stefan Winners, Interview mit Ulrich Wickert, Interview mit Peter Turi, Interview mit Walter Richtberg 

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