5 Fragen an Bernd M. Michael, Werbe- und Marketing-Ikone und Präsident des Deutschen Marketing Verbandes
Montag, 26. Mai 2008
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Herr Michael, Sie sind eine der Werbe- und Marketing-Ikonen unseres Landes, waren bis 2006 Gesellschafter und Chairman der Grey Global Group Europe, beraten seit mehr als drei Jahrzehnten internationale Firmen und wurden erst im April dieses Jahres in die Hall of Fame der Deutschen Werbung aufgenommen.
Worauf führen Sie Ihren jahrzehntelangen Erfolg im Marketing zurück?
Zuhören! Widersprechen! Ideen liefern! Sich immer wieder ungefragt den Kopf zerbrechen, was zum Erfolg der Unternehmen/Kunden beitragen könnte. Initiative ist alles im Beratungsgeschäft. Und last but not least: Die Märkte voraus denken und zwar aus der Sicht der Menschen und ihrer Wünsche.
(Das ist eigentlich alles.)
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Erfolgreiches Marketing unterliegt einem grundlegenden Wandel, da Verbraucherverhalten, Erreichbarkeit der Zielgruppe und mediale Möglichkeiten sich verändern.
Was zeichnet Ihrer Meinung nach erfolgreiches Marketing heutzutage aus?
1. Trends aufgreifen, bevor es andere tun.
2. Den Menschen Dinge anbieten, von denen sie letzte Woche noch nicht wussten, dass sie sie dringend brauchen.
3. Weil sich so vieles gleichzeitig ändert, muss Marketing schneller, flexibler und mutiger werden.
4. Bisher hieß der berühmte Spruch: Nicht die Großen fressen die Kleinen. Sondern die Schnellen die Langsamen. Jetzt muss es heißen: Die Mutigen überholen die Ängstlichen.
Fazit: Im Zeichen des Turbo-Marketings ist der Regelbruch ein probates Mittel um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
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Seit dem 1. Mai 2008 sind Sie Präsident des Deutschen Marketing Verbandes.
Welche Chancen und Möglichkeiten sehen Sie in Ihrem neuen Amt? Was wollen Sie bewirken und verbessern?
Hier ist mein Original-Kurzstatement, mit dem ich mich für die Wahl zum Präsidenten bedankt habe:
B. M. Michael dankt für das Vertrauen und nimmt die Wahl an. In einem kurzen Statement betont er, wie wichtig er die Service-Bereitschaft eines Verbandes sieht.
B. M. Michael wörtlich: Der Verband ist für die Mitglieder und die Clubs da und nicht umgekehrt. B. M. Michael sieht für die Zukunft eine vorrangige Aufgabe darin, das Dienstleistungsangebot des DMV auszuweiten und die Nähe zu den Clubs zu vergrößern. Weiter kündigt er an, sich mit dem neuen Präsidium dafür einzusetzen, Marketing verstärkt a) in den Medien, b) in den Vorstands-Etagen, c) an den Hochschulen, d) bei allen Meinungsbildenden Institutionen - zum Thema zu machen. Damit soll die Wichtigkeit des Marketings für die Wertschöpfung der Unternehmen neu ins Bewusstsein gerückt werden. Einen weiteren Ansatz sieht er darin, die Junioren-Arbeit national wesentlich stärker zu integrieren. Weitere Punkte auf der Agenda sind eine stärkere internationale Zusammenarbeit mit weltweiten Verbänden, die Produkte des Verbandes zu verbessern, neue Produkte zu entwickeln. Die Prioritäten dazu werden mit dem neuen Präsidium im Juni festgelegt und mit den Clubs abgestimmt.
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Wie beurteilen Sie die Kreativität in Deutschland im internationalen Vergleich, und inwieweit ist diese der Schlüssel für erfolgreiches Marketing?
Deutsche Kreativität unterliegt einem Vorurteil, unter dem unser Land immer gelitten hat: Wir sind das Land der Ingenieure, der Techniker, der logischen und analytischen Rechner. Deshalb werden unsere kreativen Leistungen unter Wert gehandelt. Die vielen Auszeichnungen in Cannes, New York etc. der letzten Jahre zeigen aber: Deutsche Kreativität ist besser als ihr Ruf.
Und der Schlüssel für erfolgreiches Marketing ist alles, was im kreativen Sinne neue Impulse setzt, neue Gedanken produziert und neue Ideen ins Spiel bringt. Kreativität ist der essentielle Bestandteil erfolgreichen Marketings. Schließlich lebt das Marketing davon, der Realität immer einen Schritt voraus zu sein.
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Internet, digitale Medien, Mobile, virales Marketing – das sind vier Potenziale unserer Zeit.
Wie beurteilen Sie diese in Bezug auf Werbung und Vermarktung?
In Zukunft können Sie alle vier Potenziale zusammenfassen: Es geht um das mobile Internet-Marketing - für jedermann, jederzeit überall erreichbar: Der persönlichste, individuellste, direkteste Weg, den das Marketing nutzen kann! Also: Totale interaktive Kommunikation. Aber Vorsicht: Zu viel Push wird Widerstände produzieren. Erst bei den Menschen und im Anschluss bei den Regulierern (Datenschutz). Deshalb werden Pull-Strategien den Erfolg ausmachen. Der Mensch wird mehr denn je selbst bestimmen, was er wie und wo hören und sehen will. Das ist die neue Spielregel. Und darauf gilt es sich jetzt schon mental vorzubereiten. Zuerst bei den jüngeren und progressiven Zielgruppen. Und später bei allen. Die Gretchen-Frage an uns selbst ist: Wissen wir schon genug darüber, welche Techniken und welche Creativität in dieser neuen Welt funktioniert? Und welche nicht?