5 Fragen an Prof. Curt Cress, erfolgreicher Musikproduzent, Verleger und weltbekannter Drummer
Montag, 05. Mai 2008
ComeUnited.Com:
Herr Cress, Sie sind nicht nur einer der bekanntesten Deutschen Drummer sondern auch seit geraumer Zeit ein erfolgreicher Musikproduzent und Verleger. Gleichzeitig klagt eine ganze Musikbranche über eklatante Umsatz- und Gewinneinbrüche. Was machen Sie anders?
Ich habe mich mit meinem Tonträgerlabel F.A.M.E. Artist Recordings auf Bands konzentriert, die live spielen und sich so ihr Publikum erspielen. Das funktioniert z.B. mit der Band SCHANDMAUL hervorragend. Wir sind außerdem im Bereich Film- und TV-Musik stark, in diesem Bereich arbeiten wir seit 16 Jahren mit allen Produzenten und Sendern weltweit erfolgreich zusammen.
ComeUnited.Com:
Welche Tipps und Ratschläge können Sie Musikern auf den Weg geben, um eine so eindrucksvolle und zielstrebige Karriere wie Sie heutzutage noch zu erreichen? Und ist eine solche Musiker-Karriere im heutigen Markt überhaupt noch erreichbar?
Eine Karriere ist heute genauso erreichbar, man muss eben originell und gut sein. Man denkt, dass es heute schwerer ist, aber ich denke, das Angebot und die Verfügbarkeit von Musik und Künstlern ist extrem gewachsen und das Publikum für Musik demgegenüber nicht.
ComeUnited.Com:
Als Professor der Musikhochschule Hamburg lehren und prüfen Sie junge Musiker. Wie beurteilen Sie deren Potenzial in Relation zu Ihren Vergangenheitserfahrungen?
Da ich keine "Vergangenheitserfahrungen" in diesem Bereich habe, kann ich das nicht beurteilen. In meiner Zeit gab es diese Ausbildungsmöglichkeiten nicht. Ich finde gut, dass talentierte Künstler heute diese Möglichkeiten haben, und nur diesen bringt es etwas. Die un- oder mäßig talentierten werden trotz dieser Möglichkeiten keine Zukunft im Musikbusiness haben.
ComeUnited.Com:
Wie bewerten Sie Technik und Digitalisierung der Musik? Wie viel Kunst und wie viel Kommerz steckt heute in Musik?
Kunst und Kommerz steckten schon immer in der Musik, die Digitalisierung hat vieles möglich gemacht und verschleiert einiges, aber ich stelle fest, dass die erfolgreichsten Langzeiterfolge meist noch von Hand und von tollen Sänger/Musikern/Produzenten/Songschreibern hergestellt werden. Irgendwie scheint das etwas dem Publikum mehr zu liegen/sagen/geben.
ComeUnited.Com:
Halten Sie für die Zukunft das Musikgeschäft aus kommerzieller Sicht noch für interessant?
Natürlich, Musik wird mehr gehört als jemals zuvor, die Menschen gehen in Konzerte und zwar zu Preisen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Das Problem ist, dass die Menschen für die Tonträger nicht die Preissteigerungen mitmachen möchten, wie sie bei allen anderen Gütern einfach akzeptiert werden. Aber um zu erklären, warum das so ist, würde dieses Interview wohl die Zeilenanzahl sprengen. Ich mache die Erfahrung, dass wenn die Leute Fan von einem Künstler sind, kaufen sie auch die Tonträger (siehe Grönemeyer, Lindenberg, Schandmaul etc.).