5 Fragen an Dr. Dr. Alexander Görlach, Herausgeber und Chefredakteur von "The European"
Montag, 12. Oktober 2009
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Herr Dr. Dr. Görlach, nach Ihrer Promotion in Theologie und Germanistik haben Sie sich als Journalist, Reporter und Redakteur den Themen Kultur und Wissenschaft, Nachhaltigkeit, Klimaschutz, politische Kultur, Gesellschaft und Religion gewidmet. Anlässlich des kürzlichen Wahlkampf-Fernsehduells zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier beklagten Sie, dass die Begriffe "Werte" und "christlich" gänzlich fehlen. Worauf führen Sie die Abkehr der CDU/CSU von Adenauer und die Hinwendung zur Pragmatik zurück? Wie gelangen wir zurück zu den christlichen Werten?
GÖRLACH: Die Bundeskanzlerin hat die Kernklientel der CDU in den vergangenen vier Jahren vernachlässigt. Wahlen gewinnt man allerdings immer noch nur mit den Stammwählern und nicht ohne sie. Die Kanzlerin kann entscheiden, dass sie über ihren persönlichen Glauben nicht sprechen möchte. Nicht mehr über das Wertefundament zu sprechen, das ihre Partei ausmacht, ist sicherlich falsch. Dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, eine Woche vor der Bundestagswahl erklärt, dass Katholiken nicht auf die CDU zu setzen brauchen, zeigt, wie groß die Kluft zwischen der Christlichen Union Deutschlands und den Christen geworden ist.
Eine Gesellschaft, in der immer weniger Christen leben, kann sich auf Dauer christliche Werte nicht erhalten. Die Politik kann daran nichts ändern.
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Sie sind Herausgeber und Chefredakteur von "The European". Seit 30. September ist Ihr Debattenportal online. "Wir knüpfen an die Tradition des Diskutierens an und übersetzen diese neu ins Netz". Was genau sind Idee, Charakteristika und USP von The European, und sehen Sie in Deutschland einen Mangel an Streitkultur?
GÖRLACH: Das, was in der Welt passiert, die Nachricht, ist im Netz überall und immer. Nicht aber das, was diese Nachricht bedeutet. The European bringt diesen fehlenden pointierten Meinungsjournalismus. Wir sind das erste Magazin im Netz, das unter dem Dach einer neuen Marke - The European - auf diesen Meinungsjournalismus setzt.
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"The European ist streitbar, analytisch, diskurs und reflexiv". Dabei sei die Haltung grundsätzlich "optimistisch, abendländisch und leger".
Erläutern Sie uns bitte näher, was Sie unter abendländisch und leger verstehen? Ist der Grundsatz "optimistisch" immer vereinbar mit "analytisch"?
GÖRLACH: Analytisch sein, streitbar, diskursiv und reflexiv - das sind vier Begriffe aus der europäischen Geistesgeschichte. Sie beschreiben unsere Diskussions- und Diskurskultur. Das meinen wir mit abendländisch. Leger sein bedeutet, mit einer bestimmten Gelassenheit die Welt zu betrachten. Optimistisch heißt, dass wir glauben, dass Veränderung möglich ist. Veränderung erwächst aus einer guten Analyse. Insofern schließen sich die beiden Begriffe nicht aus.
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Sie wollen das Erlebnis der großen, alten Medienwelt ins Netz übertragen.
Sie sind nach Ihrer Aussage das erste Medium im Netz, das auf anspruchsvollen Journalismus unter dem Dach einer neuen Marke setzt.
Sehen Sie bei den traditionellen Verlagen auch Ansätze einer journalistisch hochwertigen Medienkonvergenz und Anpassung ans digitale Zeitalter?
GÖRLACH: Die klassischen Medienhäuser setzen noch auf Print. Das müssen sie auch, denn das ist ihr Geschäftsmodell. Von daher sind journalistische Publikationen im Netz ohne Anbindung an einen Printtitel für die Verlage nicht attraktiv.
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Ihre Internetseite finanziert sich bis Ende des Jahres über Werbung, danach zusätzlich über eine Premium-Mitgliedschaft von interessierten Lesern für 10 und 15 EUR pro Monat. Gemäß einer US-amerikanischen Umfrage bieten nur 10 Prozent der US-Verleger Bezahlinhalte an, und nur 5 Prozent der Leser sind bereit, für journalistische Inhalte zu zahlen. In einer Umfrage im Auftrage der Deutschen Post gaben zwei Drittel der deutschen Verlagsmanager an, dass journalistische Inhalte im Web weiter kostenlos bleiben.
Für wie zukunftsfähig halten Sie Paid Content für The European, und wie beurteilen Sie dieses Thema insgesamt?
GÖRLACH: Wir wollen Mehrwerte für die Leser generieren, die über das Erlebnis unserer Inhalte hinausreichen. Das möchten wir mit dem Club Modell realisieren. Ich denke, dass der Kerninhalt des Magazins frei erreichbar bleiben wird, wir aber für die Club Mitglieder auch auf der Seite Weiterführendes anbieten: technisches Features und inhaltliche Zusätze.