5 Fragen an Dr. Walter Richtberg, Medienkoordinator des Hamburger Senats
Montag, 04. Februar 2008
ComeUnited.Com:
Herr Dr. Richtberg, Sie sind Medienkoordinator des Hamburger Senats und damit mit verantwortlich für die Medienpolitik in Hamburg. Können Sie uns in drei Sätzen verraten, was die Stadt Hamburg zur Förderung und Entwicklung des Medienstandorts Hamburg tut?
Der Medien- und IT-Standort Hamburg mit seinen 110.000 Beschäftigten und 20.000 Betrieben braucht wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, eine moderne Medienpolitik, ein weltoffenes Klima, gut ausgebildeten Nachwuchs und junge Talente – um nur einige allgemeine Faktoren zu nennen. Um spezielle Fördermaßnahmen zu verstärken, hat Bürgermeister von Beust Ende vergangenen Jahres eine Medieninitiative angekündigt, in deren Rahmen der Senat in den nächsten drei Jahren zusätzlich 16 Mio. € ausgeben will, z.B. für die Filmförderung oder innovative Medienprojekte und die Nachwuchsförderung.
ComeUnited.Com:
Sehen Sie mittelfristig den Standort Hamburg im Hinblick auf die medienpolitische Bedeutung gefährdet?
Ich bin sehr zuversichtlich, dass Hamburg seine Position als Medienhauptstadt, wie es die Bundeskanzlerin im vergangenen Jahr beim Mediendinner ausdrückte, auch in Zukunft behaupten kann. Das wird allerdings kein Selbstgänger. Neue, vom Internet geprägte Medienstrukturen erfordern neue Lösungen und neue Geschäftsideen. Ich selbst glaube, dass Hamburg gut beraten wäre, dabei nicht zuletzt auf Qualitätsjournalismus zu setzen, wo wir heute bereits eine Spitzenstellung einnehmen.
ComeUnited.Com:
Für Sie persönlich, wohin wird die Entwicklung der Medien in den nächsten Jahren gehen? Oder anders ausgedrückt: Wie sollten sich erfolgreiche Medienfirmen rüsten, um in der Zukunft noch wettbewerbsfähig zu sein?
Gerade Medienbetriebe müssen auf Talent- und Nachwuchsförderung setzen und mit ihren Geschäftsmodellen flexibel sein. Zur Zeit wird in viele Neuentwicklungen investiert, von denen niemand genau weiß, wie und ob sie sich am Markt behaupten können. Vielfach ist damit zu rechnen, dass vielleicht die Hälfte der heute angeschobenen Internetprojekte erfolgreich sein wird. Niemand weiß aber genau, welche Hälfte das ist. Also bleibt das Risiko hoch, die schnelle Anpassung an sich verändernde Märkte lebensnotwendig.
ComeUnited.Com:
Vor Ihrer Tätigkeit als Medienkoordinator des Hamburger Senats waren Sie Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Presseagentur DPA. Können Sie aus Ihrer Erfahrung die Entwicklung der PR der nächsten Jahre skizzieren? Verlieren die großen Publikationen und Agenturen z.B. durch die deutsche Blog-Landschaft weiter an Bedeutung?
Das glaube ich nicht. PR setzt ja vor allem auf den Aufbau und die Sicherung von Vertrauen. Das können in der heutigen Medienvielfalt nur Profis schaffen. Das Netz ist nur eine Plattform, deren Inhalte zunächst einmal keinen Vertrauensvorschuss genießen können. Auch dort müssen erst einmal „Marken“ gebildet werden. Blogs können das nicht leisten. Sicher ist allerdings, dass die Medienkonvergenz weiter zunehmen wird und sich die Öffentlichkeitsarbeit in Zukunft immer stärker multimedial aufstellen muss. Der Standort Hamburg ist darauf sehr gut vorbereitet.
ComeUnited.Com:
Inwieweit sehen Sie Diversifikation traditioneller Medienkonzerne als wichtigen Bestandteil einer zukunftsträchtigen Unternehmensstrategie?
Da gibt es unterschiedliche Ansätze. Traditionelle Medienkonzerne versuchen, ihre Marken ins Netzt „zu verlängern“, andere setzen völlig neu auf und investieren in Unternehmen, die außerhalb der traditionellen Medienwelt entstanden sind. Was erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Vermutlich müssen beide Wege beschritten werden. Insofern geht es nicht nur um Diversifizierung, sondern auch schlicht um die Weiterentwicklung bestehender Medien, Dienstleistungen und Produkte. Spannend wird die Medienwelt auf jeden Fall bleiben.