5 Fragen an Karsten Jahnke, erfolgreicher Konzertveranstalter seit fast fünf Jahrzehnten und leidenschaftlicher Musikliebhaber
Montag, 21. April 2008
ComeUnited.Com:
Herr Jahnke, seit beinahe fünf Jahrzehnten veranstalten Sie große Konzerte und Tourneen. Am 18. April wurden Sie mit dem jazzahead-Skoda-Award geehrt für Ihren Einsatz und Ihre Verdienste rund um den Jazz und für Ihre Treue zu Ihren Künstlern. Sie sind ein namhafter Veranstalter, der sich nicht nur durch Erfolg, sondern auch durch persönliche Integrität auszeichnet. Das Englische Musikmagazin "Applause" bezeichnete Sie als "Solid Rock".
Führen Sie Ihren Erfolg auf Ihre wertbewusste Grundhaltung zurück, oder würden Sie sagen, dass Sie trotz dieses Wertebewusstseins so dauerhaft erfolgreich sein konnten?
Ich habe mein Hobby Musik zu meinem Beruf gemacht. Mein Ziel war es von Anfang an, nur Künstler zu veranstalten, die mir selbst gefallen. Ich bin diesem Ziel ziemlich nahe gekommen. Diese Einstellung birgt natürlich ein hohes finanzielles Risiko. Es liegt in der Natur der Sache, dass man Künstler, die man selber mag, wirtschaftlich manchmal höher einschätzt, als sie wirklich sind. Dieses gilt speziell für meine Lieblingsmusik, dem JAZZ.
Wir Veranstalter bewegen uns daher immer auf einem schmalen Grat. Schließlich sind wir ein Wirtschaftsunternehmen und müssen am Ende eines Jahres schwarze und nicht rote Zahlen schreiben. Um auf die wertbewusste Grundhaltung zurückzukommen, die haben mir meine Eltern und später meine Frau vorgelebt. Ich habe mich immer fair verhalten, und das zahlt sich auf Dauer aus.
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Sie sind ein Veranstalter der "alten Schule", der auch in neue, unbekannte Bands investiert. Halten Sie das Newcomer-Engagement in Deutschland für groß genug? Sehen Sie aus Ihrer Erfahrung in diesen Investitionen Profitchancen?
Wenn man nicht in neue Künstler oder Gruppen investiert, würde mir mein Job keinen Spaß bringen. Selbstverständlich sehe ich auch Profitchancen. Die Gefahr ist jedoch, dass, nachdem man den Künstler mühsam in die Gewinnzone gebracht hat, der Künstler das Management und den Agenten ändert. Der neue Agent arbeitet dann mit einem Konkurrenten von mir, und ich habe das Nachsehen, und die ganze Investition ist verloren.
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Im Gegensatz zum sonstigen Musik-Business boomt das Live-Geschäft seit Jahren. Prominente, internationale Stars wie z.B. Madonna wenden sich ab von den großen Plattenlabels hin zu Veranstaltern.
Halten Sie diese Entwicklung für dauerhaft, oder sehen Sie die Gefahr, dass auch der Live-Markt sich in einiger Zeit gesund schrumpfen muss?
Es gibt nichts Schöneres als ein Live-Erlebnis, das ist die einfache Erklärung dafür, dass das Live-Geschäft blüht. Ich bin damals in dieses Geschäft eingestiegen, weil ich Musik liebe. Inzwischen ist das internationale Live-Geschäft in den Händen von Kapitalgesellschaften. Sie kaufen weltweit Veranstalter auf, kaufen Hallen inkl. Restaurants und Parkplätze und Radiostationen und Ticket-Systeme. Das ist eine Entwicklung, die mir Sorge bereitet. Es geht dann nur noch um das Geld. Da können wir unabhängigen Veranstalter schon lange nicht mehr mithalten. Die kalkulieren dann ganz anders: Wenn ich mit dem Konzert nichts verdiene,dann eben mit der Halle, der Gastronomie, dem Parkplatz und dem Ticketsystem. Man darf sowieso nicht darüber nachdenken, wie die internationalen Ticketsysteme abzocken. Diese großen Kapitalgesellschaften können nun sogar den ganz großen Künstlern riesige Millionenbeträge bieten. Wenn die Beträge stimmen, die veröffentlich worden sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das lohnt.
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Durch den Boom des Live-Business ist ein großes Angebot an Künstlern auf dem Markt. Welche Voraussetzungen muss eine junge Band erfüllen, um sich für eine Tournee mit der Karsten Jahnke Konzertdirektion zu qualifizieren?
Wenn wir durch irgendetwas auf einen Künstler bzw. Gruppe aufmerksam
geworden sind, lassen wir uns in der Regel etwas Hörbares zuschicken. Dann wird dieses Thema im wöchentlich stattfindenden Bookermeeting besprochen. Wir bekommen sehr viele CDs zugeschickt. Dabei sind auch viele, die uns durchaus gut gefallen - doch dies allein reicht nicht. Trotzdem werden sie abgelehnt, denn nur wenn die Vorraussetzung gegeben ist, dass wir begeistert und überzeugt sind und zudem einer meiner Mitarbeiter bereit ist, sich langfristig voll und ganz für eine Gruppe einzusetzen, lohnt es sich, eine Band zu übernehmen - denn nur dann gibt es Aussicht auf Erfolg.
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Wenn ein Künstler sein Plattenlabel verlassen will und mit der Karsten Jahnke Konzertdirektion einen 360-Grad-Deal aushandeln will, stößt er dann auf Ihre Gesprächsbereitschaft? Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?
Ich halte nicht viel davon. Dann wird man irgendwann lesen, wenn es gescheitert ist: Wir ziehen uns auf unser Kerngeschäft zurück.
Keep swinging!