5 Fragen an Peter Turi, Herausgeber des Branchendienstes turi2.de
Montag, 18. Februar 2008
ComeUnited.Com:
Herr Turi, Sie sind Herausgeber des Medien-Branchendienstes turi2.de. Dieser Dienst basiert auf der Blog-Technologie und zeigt damit eine geschickte Verbindung von moderner Technologie und guten Inhalten. Können Sie uns verraten, warum Sie sich für einen Blog entschieden haben?
Peter Turi:
Das war fast Zufall. Ich habe Ende 2005 für die Marketingzeitschrift "w&v" über Blogs geschrieben. Irgendwann bin ich auf einer blog.de-Seite gelandet, und dort stand "Eigenes Blog anlegen - kostenlos und kinderleicht" oder so ähnlich. Ich hab's probiert und was soll ich sagen: Es war kostenlos und kinderleicht. Da blog.de zudem noch zwei richtige nette Macher hat, Florian Wilken und Vasco Sommer, bin ich immer dabei geblieben. Ich habe dort keinerlei Scherereien mit Technik und eine extrem leistungsfähige Publishing-Plattform. Da kann ich die horrenden Gebühren von 3 Euro pro Monat für den Profi-Account gerad noch verschmerzen.
ComeUnited.Com:
Rein technisch und kostenseitig ist nahezu jeder in der Lage, einen eigenen Blog zu erstellen. Was zeichnet nach Ihrer Meinung einen erfolgreichen Blog aus?
Perer Turi:
Inspiration, Transpiration und Insubordination. Zu deutsch: Du musst arbeiten wie ein Kesselflicker, aber wenn Du eigene Idee hast und das Handwerk beherrschst, kannst Du ein großer, mächtiger, unabhängiger Web-Verleger werden. Okay, "groß und mächtig" nehm ich zurück, aber "unabhängig" unterstreiche ich herzblutrot.
ComeUnited.Com:
Die Diversifikation der Informationsverbreitung hat viele Vorteile, aber auch Risiken, z.B. im Hinblick auf Vertrauenswürdigkeit oder Überinformation. Wie beurteilen Sie die Zukunft der Informationen und deren Verbreitung?
Peter Turi:
Tja, alles wird immer komplizierter. Erfolg haben werden deshalb Websites, die es schaffen, irgend ein Bedürfnis möglichst einfach zu lösen. turi2 löst z.B. das Problem, das kein Medienmacher alles lesen kann, was in Tageszeitungen, Fachdiensten, Websites und Blogs über unsere Profession geschrieben wird. Wir nehmen ihm diese Arbeit schlichtweg ab, servieren die News appetitlich und werden daher von vielen Medienmachern geschätzt.
ComeUnited.Com:
Als Nachrichten-Mann erleben Sie an vorderster Front, mit welchen Herausforderungen Medienmacher heutzutage zu kämpfen haben. Inwieweit sind die Probleme der Medienkonzerne z.B. durch die Digitalisierung und Veränderung des Nutzerverhaltens zeitbedingter Natur, und inwieweit schreiben Sie einen Teil der Probleme auch der Medienmachern und Konzernlenkern selber zu?
Peter Turi:
Eins, zwei, drei im Sauseschritt, es rast die Zeit, wir rasen mit - wir Menschen sind komische Leute und vielleicht gar nicht geschaffen für die Schnelligkeit, mit der die digitale Welt pulst. Von daher ist die Digitalisierung sicher nicht nur positiv zu sehen, z.B. wenn ich daran denke, wie schwierig es ist, meine drei Kinder vom PC weg und raus auf die Straße zu bekommen, wo meines Erachtens zumindest ein Teil der Kindheit stattfinden sollte. Ich persönlich bin sehr konservativ und versuche, möglichst viel Zeit bildschirmfrei zu verbringen.
ComeUnited.Com:
Nach einer herausragenden und zielstrebigen Karriere haben Sie vor fast zwei Jahren mit dem Start von turi2.de erfolgreich einen Neuanfang gewagt. Können Sie jungen Medienmachern und Gründern Ihr Erfolgsgeheimnis verraten?
Peter Turi:
Jetzt können wir beide mal herzlich lachen. Die "herausragend und zielstrebige Karriere" führte mich 2002 schnurstracks in die Insolvenz und in die Eidesstaatliche Versicherung, früher besser bekannt als Offenbarungs-Eid. Meine Rente ist ebenso weg wie eine Eigentumswohnung, und die Bank will noch eine ganze Menge Geld von mir. Da von einer "zielstrebigen Karriere" zu sprechen, ist zwar gut gemeint, aber nicht adäquat. Wenn ich jungen Leuten einen Tipp geben sollte: Seid vorsichtig, erwägt die Alternativen, bevor Ihr Zeit und Geld investiert. Aber wenn Ihr Euch entschieden habt - dann gebt bitte Vollgas, versucht aber dabei, Partner oder Familie nicht zu vernachlässigen. Wenn's am Ende ein gerahmter Sinnspruch sein soll, dann vielleicht der: Hinfallen ist erlaubt, Liegenbleiben nicht. ;-)