5 Fragen an Tobias Schlegl, Moderator, Autor und Musiker
Montag, 14. September 2009
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Herr Schlegl, Ihr Werdegang ist interessant und eindrucksvoll: bereits 2 Jahre vor Ihrem Abitur wurden Sie als Moderator für "VIVA Interaktiv" ausgewählt, im Alter von nur 27 Jahren wurden Sie vom Exkanzler Gerhard Schröder in den Rat für "Nachhaltige Entwicklung" berufen, neben zahlreichen Aktivitäten moderieren Sie seit 2007 das renommierte Polit-Satiremagazin "Extra 3" im NDR Fernsehen.
Wäre eine Sendung im Stile von "Extra 3" bei den privaten TV-Sendern möglich; und wie viel Qualität verträgt ein kommerzielles TV-Programm?
SCHLEGL: Ich glaube nicht, dass ein privater Sender so mutig wäre und Extra3 eine Chance geben würde. Dafür sind wir einfach zu kantig und politisch. Es wäre auch sehr skurril, wenn wir in der Sendung z.B. die Machenschaften von Vattenfall anprangern würden, dieser Konzern aber gleichzeitig einen Werbespot bei uns schalten würde. Nein, Extra3 braucht einen breiten Rücken, der nicht immer vorschnell nach Gewinn und Quoten guckt. Daher ist diese Sendung meiner Meinung nach nur bei den Öffentlich-Rechtlichen möglich. Ich weiß wirklich zum ersten Mal, warum ich GEZ-Gebühren bezahle.
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Drei Jahre gehörten Sie dem "Rat für Nachhaltige Entwicklung" an. Dieser geht aus von der Maxime einer Kultur der Nachhaltigkeit und beschäftigt sich mit Themen wie Energie- und Umweltpolitik, Folgen des demografischen Wandels, Lebensqualität, Konsum, wirtschaftliche Entwicklung, sozialer Zusammenhalt in der Gesellschaft.
Werden nach Ihrer persönlichen Erfahrung die Vorschläge des Rates von der Bundesregierung aufgegriffen und umgesetzt? Wie groß ist die Aufgeschlossenheit und Entscheidungsfreudigkeit unserer Politiker?
SCHLEGL: Schon der Rat bestand aus unterschiedlichen Fronten: z.B. den Wirtschaftsvertretern, die sich ständig mit den Vertretern der Umweltverbänden in den Haaren hatten. Das bedeutet, dass der Rat auch nur Konsenspolitik machen kann. Und wenn dann noch diese weichen, aber gut gemeinten Ratschläge durch die Politiker noch mehr weichgespült werden, ist das leider ziemlich frustrierend. Das Ganze hat dazu beigetragen, meinen gesunden Zorn auf die Politik noch zu vergrößern.
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Das Thema "Nachhaltigkeit" beschäftigte Sie auch nach Ihrer Ratsmitgliedschaft. So reisten Sie im Jahre 2008 4 Monate lang mit dem Zug quer durch Deutschland und befragten Schlüsselpersonen, Jugendliche, bekannte und unbekannte Personen zu Bildung, Ernährung, Umweltschutz, Unternehmensverantwortung u.a.
Ihr im August 2008 veröffentlichtes Buch "Zu spät? So zukunftsfähig sind wir jungen Deutschen" zeigt, dass es noch nicht zu spät ist, dass jeder im Kleinen etwas ändern kann.
Was können wir - außer z.B. energiesparenden Lampen, Geräten und Autos - Nachhaltiges tun, um Verantwortung für die Zukunft zu beweisen?
SCHLEGL: Das geht nur mit Verzicht. Konsumverzicht. Am besten das Auto komplett abwracken und nur noch Lebensmittel vom Bauer seines Vertrauens kaufen. Und bitte stets wachsam bleiben: alles hinterfragen und sich nicht mit den einfachen Antworten zufrieden geben. Viele Unternehmen hoffen nur darauf, dass wir uns durch ihre "grünen" Werbeversprechen einlullen lassen.
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Kurz vor der Bundestagswahl wird am 15. und 22. September Ihre Sendung "Schlegl sucht die Wahrheit" im NDR ausgestrahlt. Sie ist ein Ergebnis Ihrer Generalinspektion des Alltags, wobei Ihr Schwerpunkt dort liegt, wo Sie Lügen vermuten. Und Sie scheuen sich nicht, den "Großen" auf die Füße zu treten.
Welche Antworten und notwendigen Konsequenzen in Bezug auf wichtige gesellschaftliche Fragen haben Sie gefunden? Ist Ihre Sendung auch als Wahlveranstaltung zu sehen?
SCHLEGL: Meine ungewöhnliche Doku ist eine knallharte Analyse unseres Landes kurz vor der Wahl. Ich habe dabei den Finger in viele Wunden gelegt: Ernährung, Bildung, Energie und natürlich unsere Politik, die von vielen Lobbyisten unterwandert wird. Ich bin aber nicht dafür da, Antworten zu geben, sondern die Realität so zu sagen, wie sie nun mal ist. Jeder Zuschauer wird sehen können, dass es so nicht weitergehen kann. Ich hoffe, dass die Leute durch die Doku endlich wachgerüttelt werden.
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Sind sind nicht nur Moderator und Autor, sondern auch Musiker und Sänger. Ihre Alben "Top of the Rocks" und "Ohne Alles" liegen schon einige Jahre zurück.
Dürfen wir uns auf neue Musik von Ihnen freuen?
SCHLEGL: Musik wird immer mein Lebenselixier bleiben. Wenn ich Kraft brauche bzw. wenn ich mal ganz unten bin, hilft nur noch die passende Musik, um mir wieder Mut zu machen. Meine Band pausiert aber zur Zeit. Ein Comeback ist aber nie ausgeschlossen. Wie bei Howard Carpendale und Alice Cooper.